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Die Nahrungspyramide für die Weltgesundheit

von Edward Esko
Vor kurzem war ich eingeladen, im Bürogebäude der Aetna Life Insurance Company in der Nähe von Detroit zu sprechen. Mein Vortrag war Teil eines Gesundheitsprogramms des Unternehmens während der Mittagspause der Angestellten. Er sollte etwa 30 Minuten dauern. Danach war ein naturköstliches Mittagessen geplant. Zuhörer sollten die Mitarbeiter der Aetna sein, darunter auch der Arzt des Unternehmens. Thema war die makrobiotische Ernährung.
Bei der Vorbereitung meines Vortrages stand ich vor der schwierigen Frage, wie sich in weniger als 30 Minuten ein Überblick über die Makrobiotik geben ließe. Das Wort Makrobiotik stammt von dem griechischen Wort makro, das groß oder auch großartig bedeutet, und bios für Leben ab. Als Studienobjekt ist die Makrobiotik unendlich. Die makrobiotische Ernährung ist ebenso vielfältig wie das Leben selbst. Allein die Auflistung, Benennung und Erläuterung der Nahrungsmittel, die meine Freunde, meine Familie und ich selbst in einer durchschnittlichen Woche kochen und essen, könnte Stunden oder gar Tage dauern. In den letzten 25 Jahren habe ich häufig über Makrobiotik gesprochen. Die meisten öffentlichen Vorträge dauerten länger als eine Stunde. Um dem begrenzten Zeitrahmen für den Vortrag bei Aetna gerecht zu werden, schien mir eine neue, vereinfachte Darstellungsweise der Makrobiotik erforderlich.
Mehrere Tage vor dem Ereignis setzte ich mich mit Papier und Bleistift hin. Nach einigem Nachdenken über den Vortrag kam ich zu dem Schluß, daß die Darstellung der makrobiotischen Ernährung in Form einer Pyramide die beste Möglichkeit sei. Mit dieser Vorstellung entwarf ich eine Pyramide. An die Basis stellte ich das Getreide, gefolgt vom Gemüse, dann den Bohnen und den Sojaprodukten. Ganz oben setzte ich eine Kategorie ein, die ich mit sonstige Nahrungsmittel bezeichnete. Entlang der drei äußeren Kanten trug ich Würzzutaten, Würzmittel und Getränke ein. Ich habe die Pyramide "Nahrungspyramide für die Weltgesundheit genannt, denn ich meine, daß sie eine Sichtweise der Ernährung versinnbildlicht, die sowohl der Gesundheit des einzelnen auch als der des Planeten dient. Die durch die Pyramide dargestellten Richtlinien eignen sich ganz allgemein für Erwachsene in gemäßigtem Klima (s. Darstellung weiter unten.)
Vollgetreide: Die Basis der Pyramide
Vollgetreide und dessen Produkte stellen die Grundlage einer gesunden Ernährung dar. Schon von alters her war Getreide das Grundnahrungsmittel der Menschheit und die Grundlage der Landwirtschaft. Es ist eine ideale Quelle für essentielle Nährstoffe, darunter auch für komplexe Kohlenhydrate und Vitamine, und enthält wenig Fett, aber viel Ballaststoffe. Zu den für den täglichen Verzehr geeigneten Getreidesorten gehören: Vollkornreis, Vollkornweizen, Gerste, Hirse, Hafer, Roggen, nicht genmanipulierter Mais und Buchweizen. Am besten sollte man zu jeder Mahlzeit eine oder mehrere Portionen Vollgetreide essen. Aus Vollgetreide und Vollgetreideprodukten lassen sich Hunderte von gesunden und appetitanregenden Gerichten herstellen. Vollgetreide enthält hochkonzentrierte Lebensenergie. Es ist Frucht und Same in einem. Vollgetreide behält seine Lebenskraft über Jahrhunderte hinweg. Auch nach Hunderten von Jahren keimt es noch.
Aus Vollgetreide hergestellte Produkte wie Vollkornbrot, Nudeln und Pasta gehören ebenfalls in die Kategorie der Vollkornprodukte. Biologisch erzeugtes Getreide und dessen Produkte sind den unter Verwendung von Chemie erzeugten vorzuziehen. Vollgetreide und dessen Produkte stellen in der makrobiotischen Ernährung die Hauptnahrungsmittel dar und stehen daher an der Basis der Nahrungspyramidefür die Weltgesundheit.

Gemüse: Die zweite Ebene
Gemüse ist die ideale Ergänzung zu Vollgetreide. Frisches oder auf natürliche Weise getrocknetes Gemüse ist Konserven oder Gefrierkost vorzuziehen. Wo immer möglich, wählen Sie biologisch erzeugtes Gemüse. Gemüse läßt sich dämpfen, kochen, dünsten, unter Rühren braten, einlegen, pressen, fritieren, grillen und kann in Suppen und Eintöpfen verwendet oder roh als Salat oder Garnierung verzehrt werden. Gemüse ist eine ausgezeichnete Quelle für Vitamine, Mineralien und komplexe Kohlenhydrate. Im Idealfall sollten wir drei bis fünf Portionen frisches Gemüse täglich zu uns nehmen. Auch eine kleine tägliche Portion natürlich fermentierter Pickles, unter anderem Sauerkraut, tut gut.
Zu den Gemüsesorten, die regelmäßig verzehrt werden sollten, gehören Wurzeln wie Rettich, Möhren, Rüben, Klettenwurzel, Radieschen, Pastinaken und Lotuswurzel, dann die Gemüsesorten mit runder Form, wie Zwiebel, Kohl und Kürbis und die grünen Sorten, wie Brokkoli, Rosenkohl, Rettich- und Rübenblätter, Möhrengrün, Senfblätter, Grünkohl, Frühlingszwiebeln, Schnittlauch, Petersilie und Brunnenkresse. Shiitake und sonstige Pilze, grüne Bohnen, Erbsen, Sprossen, Bleichsellerie und Salat können ebenfalls genossen werden, ebenso Meeresalgen wie Nori, Wakame, Arame u.a. Nachtschattengewächse wie Kartoffeln, Tomaten und Paprika sind aufgrund ihrer potentiell toxischen Eigenschaften und ihres äquatorialen Ursprungs nicht für den regelmäßigen Verzehr zu empfehlen.
Ebene Drei: Bohnen und traditionelle Sojaprodukte
Bohnen und traditionelle Sojaprodukte stehen auf der dritten Ebene der "Nahrungspyramide für die Weltgesundheit". Sie sind ausgezeichnete Quellen für pflanzliches Eiweiß und ergänzen die Ernährung aus Vollgetreide und Gemüse. Bohnen und/oder traditionelle Sojaprodukte, wie Tofu und Tempeh, können regelmäßig verwendet werden. Zusätzlich zu den bekannten Bohnensorten wie Nierenbohnen, weißen Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Splittererbsen u.a. gehören auch exotische asiatische Sorten, wie Aduki (kleine rote Bohnen) und schwarze Sojabohnen, in diese Kategorie.
Traditionelle Würzzubereitungen auf Sojagrundlage wie Miso (fermentierte Sojapaste) und Shoyu (Sojasauce) reichern die Speisen mit qualitativ hochwertigen Eiweißstoffen, Mineralien und wertvollen Enzymen an. Sie können regelmäßig zum Würzen der Suppe und anderer Speisen verwendet werden. Biologische (nicht genmanipulierte) Sojaprodukte sind vorzuziehen.
Die vierte Ebene:
Sonstige Nahrungsmittel
Eine Reihe anderer Nahrungsmittel können ebenfalls genossen werden. Ihre Position an der Spitze der Pyramide bedeutet, daß gelegentliche oder bedarfsentsprechende Verwendung empfohlen wird. Beispielsweise essen manche Menschen Fisch, andere entscheiden sich für eine vegetarische Ernährungsweise. Theoretisch kann jedes Nahrungsmittel in die Kategorie aufgenommen werden. Welche wir dazu zählen, liegt völlig bei uns. Unsere Wahl hängt von Faktoren ab wie unserem Alter, dem Ort, an dem wir leben, Geschlecht, Aktivitäten, Gesundheitszustand und persönlichen Vorlieben. Im folgenden finden Sie Vorschläge für zusätzliche Nahrungsmittel:
Fisch und Meeresfrüchte Fettarmer Fisch mit weißem Fleisch wird empfohlen, vorzugsweise nicht aus Aquafarmen. Diejenigen, die keine tierische Nahrung zu sich nehmen möchten, können als Quelle für zusätzliches Eiweiß eine größere Menge an Bohnen und traditionellen Sojaprodukten verwenden.
Obst der Saison Sorten wie Apfel, Birne, Pfirsich, Aprikose, Kirsche, Erdbeere und sonstige Beeren, Melone, Zitrone oder Mandarine eignen sich hervorragend. Tropische Früchte sollte man besser nur zu besonderen Gelegenheiten verwenden.
Samen und Nüsse Dazu gehören Samen wie Kürbis- und Sonnenblumenkerne und Sesam. Mandeln, Erdnüsse, Walnüsse, Pekannüsse und andere Nüsse können ebenfalls als Nascherei oder Garnierung genossen werden. Tropische Sorten wie Cashewnüsse, Paranüsse und Pistazien sollten am besten nur zu besonderen Gelegenheiten verwendet werden.
Natürliche Snacks Nahrungsmittel wie Speisereste, Vollkornnudeln, Gemüsemaki (Vollkornreis und Gemüse eingerollt in Norialge) oder Mochi (gestampfter Süßreis) gehören ebenso in diese Kategorie wie Popcorn, gepufftes Vollkorngetreide oder Reiswaffeln.
Natürliche Süßmittel In diese Kategorie gehören Reismalz, Gerstenmalz, Amasake (Süßreismilch), getrocknete Kastanien, biologisches Apfelkompott sowie sonstige natürlich verarbeiteten Süßmittel. Sie können zum Süßen von Nachspeisen, Tee, Müsli und anderen Gerichten verwendet werden.
Würzzubereitungen, Würzmittel, Öl und Getränke
Würzzubereitungen. Eine Vielzahl traditioneller Würzzutaten kann bei Tisch angeboten werden, um den Speisen zusätzlich Aroma und Nährstoffe zu verleihen. Dazu gehören:
- Gomasio (Sesamsalz, das durch Zerstampfen von 20 Teilen gerösteten Sesamsamen und 1 Teil geröstetem Meersalz hergestellt wird)
- Shiso-(perilla)Pulver
- Umeboshi (salzig eingelegte Pflaumenart)
- geröstete Sesamsamen
- Tekka (Kondiment aus Wurzelgemüse und Miso)
- Grüne Noriflocken (getrocknete Meeresalgen)
- Vollreisessig
- Umeboshi-Essig
- biologisches Shoyu (traditionelle Sojasauce)
Würzmittel und Pflanzenöle. Zum Kochen wird unraffiniertes Meersalz empfohlen. Traditionell hergestelltes Miso und Shoyu können für das Würzen von Suppen und anderen Speisen verwendet werden. Auch Vollkornreis- und Umeboshi-Essig, Mirin (Wein aus Süßreis zum Kochen), Zitrone und Ingwer können verwendet werden. Unraffiniertes biologisches Sesamöl ist perfekt geeignet für die Verwendung beim Dünsten und Braten unter Rühren. Sonstige, auf natürliche Weise verarbeitete Öle wie biologisches (nicht genmanipuliertes) Mais-, Oliven- und Sonnenblumenöl sind ebenfalls geeignet.
Getränke. Eine Vielzahl traditioneller Tees wird empfohlen, unter anderem Bancha, Kukicha, Gerstentee und Vollreistee. Ebenfalls gut sind biologischer Grüner Tee, Mu-Tee, Maisgrannen-Tee; Möhren-, Sellerie- und Gemüsesaft; natürlich verarbeitetes Amasake und Sojamilch; sowie biologischer Apfelsaft und andere Fruchtsäfte. Vorzugsweise sollte zum Kochen und Trinken naturbelassenes Quell- oder Brunnenwasser verwendet werden.
Schlußfolgerung
An dem Tag, an dem der Vortrag bei Aetna stattfand, traf ich im Konferenzraum für Mitarbeiter mit etwa 30 Angestellten zusammen. Im Raum befanden sich etliche weiße Tafeln, die bei Vorträgen benutzt werden konnten. Während die Zuhörer den Raum betraten, skizzierte ich die Nahrungspyramide für die Weltgesundheitauf eine Tafel. Ich begann meinen Vortrag mit Zitaten aus Artikeln über die Vorzüge von Vollgetreide, Bohnen und frischem Gemüse und die Nachteile von Fleisch und Molkereiprodukten. Dann gab ich in der zur Verfügung stehenden Zeit einen Überblick über die Nahrungspyramide für die Weltgesundheit. Anschließend kamen die Zuhörer zu mir und bedankten sich. Anscheinend hatte die neue Form des Vortrags funktioniert.
Edward Esko, USA, ist bekannter Verfasser makrobiotischer Literatur, darunter Heilung des Planeten Erde (Ost-West-Verlag) und lehrt Makrobiotik weltweit.
Verein Weg der Natur in Östereich
Massanobu Fukuoka aus Japan, weltbekannter Pionier der natürlichen Landwirtschaft die sich im Unterschied zur biologischen Landwirtschaft mit dem "Wachsenlassen" in der Natur beschäftigt setzte mit einem Besuch 1981 in Österreich die Initialzündung für den nationalen biologischen Landbau.
Ausgehend von einem Besuch in dem Seminarzentrum Weg der Natur bereiste er 30 bäuerliche Betriebe und hielt eine Vortragsreihe. Die Teilnehmer interessierten die Vorträge so sehr, daß sie ihm in einer Autokarawane von Betrieb zu Betrieb folgten. Die Abschlußveranstaltung in Wien war von mehr als 500 Personen besucht. Fukuoka gab damit den Ausschlag, daß es heute soviel biologische Landbaubetriebe in Österreich gibt.
Fukuoka hat zahlreiche Bücher zum Thema "Natürliche Landwirtschaft" verfaßt, darunter
- Der Große Weg hat kein Tor
- Rückkehr zur Natur (Band 1)
- In Harmonie mit der Natur, Die Praxis des natürlichen Anbaus (Band 2)
- Die Suche nach dem verlorenen Paradies,
Natürliche Landwirtschaft als Ausweg aus der Krise,
alle erschienen im Pala Verlag.
Der Verein Weg der Natur ist eine makrobiotisch orientierte Organisation, die schon vor über 25 Jahren gegründet wurde. Früher in Wiener Neustadt ansässig, ist der Verein nach einem Umzug seit vielen Jahren in einem abgelegenen Ort namens Gamlitz weiter tätig. Bis heute werden vegetarische Kochkurse sowie Retreats, Workshops und anderes zum Thema natürliche Lebensweise abgehalten.
Im gleichen Ort ist auch der bekannte österreichische Naturkost- Großhändler "Naturgarten" ansässig, der zu den frühen Pionieren für Makrobiotik-Nahrungsmittel und Naturkost in Österreich zählt.
Irmtraud und Gert Pierer sind die leitenden Personen, die sich seit mehr als einem Vierteljahrhundert um die Pflege und den Fortbestand makrobiotischer Inhalte und die Versorgung mit qualitativ hochwertigen Nahrungsmitteln in Österreich bemühen.
Info: Verein Weg der Natur, A 8562 Gamlitz
Notvorrat
Nicht nur vor dem Hintergrund aktueller Bedrohungen sollte man im Haushalt stets einen Notvorrat halten. Die einfachste Empfehlung stammt vom "Naturgarten" in Österreich:
"Einlagerungen in Tiefkühltruhen, die vom Strom abhängig sind, können in Katastrophensituationen innerhalb weniger Stunden verloren sein. Vollkornreis und Bohnen sind in Säcken, trocken und kühl gelagert, ohne Kühltruhen praktisch unbegrenzt haltbar. Beide gekocht, führen alle Nährstoffe zu, die unser Körper benötigt, um in Notzeiten lange Zeit überleben zu können.
Vollkornreis, Bohnen, Mineralwasser und eine stromunabhängige Kochstelle (z.B. Flaschengas) sind daher die ideale Notfallslösung." (Quelle: Naturgarten, A 8562 Gamlitz).
Eine etwas ausführlichere Empfehlung findet man in dem Beiheft des Buches Nagasaki 1945 - Schutz vor Radioaktivität durch makrobiotische Lebensweise (Ost West Verlag), welches sich zwar auf die Erfahrungen einer Noternährung zum Schutz vor Radioaktivität bezieht, aber genauso geeignet für andere Notsituationen ist. Das Beiheft trägt den Titel Was tun im Ernstfall? und ist nur zusammen mit dem Buch bestellbar.
Zeitlose Ratschläge zu ABC-Gefahren finden Sie in der Ausgabe # 55 von DAS GROSSE LEBEN- Magazin (erhältlich nur beim Makrobiotik-Buchversand) mit weiterführenden Literaturhinweisen.
Natürlich schalten wir bei aktuellen Ereignissen, falls möglich und notwendig, auch im Internet zusätzliche Informationen unter www.das-grosse-leben.de.
Es ist bei solchen Themen wichtig, sich im Vorfeld mit Möglichkeiten und Maßnahmen zu beschäftigen. Die Erfahrung lehrt, daß man sich auf manches nicht nur langfristiger vorbereiten muß, sondern daß in einem Notfall auch durch die entstehenden Ängste die Urteilsfähigkeit stark eingeschränkt werden kann.
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